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Natur als Lern- und Entwicklungsraum

Es ist der wichtigste und tollste Spielplatz den es gibt. Die Natur! Im Letzten Teil „Raus in die Natur“ habe ich euch einen kleinen Impuls gegeben mit den Kindern in die Natur, in den Wald zu gehen. Heute möchte ich dies gerne etwas weiter vertiefen und darauf eingehen, welche positiven Auswirkungen die Natur auf die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung von Kindern hat.

Draußen sein, draußen spielen, toben und lachen, Abenteuer erleben. Das ist ein großer Teil des Lebens, den Kinder lieben. Kinder haben noch einen ganz natürlichen Suchinstinkt nach Natur und anderen lebendigen Wesen. Wenn wir einmal die ersten Wörter betrachten, die ein Kleinkind von sich gibt, so können wir feststellen, dass nach den Wörtern „Mama“ und „Papa“ oder ähnliche, meist Wörter wie „Wauwau“ (Hund), „Muh“ (Kuh) oder „Miau“ (Katze) folgen, also Wörter, die mit der Natur in Beziehung gesetzt werden können.
Wir können sehen, wenn wir genau darauf achten, dass Kinder noch viel naturverbundener sind als die meisten Menschen und damit instinktiv wissen, was ihrer Gesundheit gut tut.

Natur ist gut für die körperliche Gesundheit 
Denn das Draußen sein, das Rennen und Hüpfen im Freien fördert ganz grundlegende gesundheitliche Aspekte: Durch die Bewegung an der frischen Luft werden zum einen die kindlichen Muskeln gestärkt und zum anderen die Grobmotorik ausgebaut, sowie das Immunsystem und die Abwehrkräfte gestärkt. Auch sind Natur und Tiere ein natürliches Entspannungsmittel, die den Körper beruhigen und zu sich kommen lassen.

Die Natur entwickelt die Persönlichkeit

Die Natur schärft die Wahrnehmung und schult den Verstand

Doch auch auf geistiger und emotionaler Ebene wirkt sich das Spiel und Entdecken in der Natur positiv aus. Die Sinne und der Verstand werden geschärft.
Wenn sich ein Kind in der Natur aufhält, strömen unheimlich viele Reize auf das Kind ein, die es lernt nach und nach bewusst wahrzunehmen. Da ist der zarte Hauch des Windes auf der Haut und das Gefühl des weichen Mooses zwischen den Fingern, der Schrei des Vogels auf dem Baum und das Rascheln der Maus, die gerade durch das Dickicht flitzt. Da ist der Geruch nach Erde und Wildtier und der frische Duft nach Sommer oder Regen. Als das sind ein paar Beispiele von Erfahrungen, in diesem Fall Sinneserfahrungen, die ein Kind während eines Aufenthaltes in der Natur macht.
Und die Gehirnforschung weiß: Der Verstand wächst umso mehr Erfahrungen wir machen. Je komplexer und vielfältiger die Erfahrungen sind, umso intensiver ist das Wachstum. Und jedes Mal, wenn im Gehirn neue Verbindungen hergestellt werden können, sendet es beglückende Botenstoffe aus, die den Menschen fröhlich stimmen.
Dabei ist es wichtig, dass das Kind die Erfahrungen selber macht. Es bringt nichts, wenn es diese erzählt bekommt oder theoretisch weiß. Es muss es selber erleben.
Und genau darauf kommt es doch beim Lernen an.
Nur dann können neue Netzwerke im Frontalhirn ausgebildet werden.

Die Natur lehrt lebensrelevante Kompetenzen

Und das ist ein wichtiger Prozess für die spätere Entwicklung des Kindes und das spätere Leben:
Denn das Frontalhirn (blau) ist verantwortlich für Kompetenzen, wie planendes Handeln, sich in andere Hineinversetzen, Folgen und Risiken des Handelns abschätzen, Frust aushalten und Verantwortung übernehmen, also Kompetenzen, die so an sich nicht lehrbar sind.
Das Kind muss es mit seinen Sinnen selbst erfahren.



Ein praktisches, kleines Beispiel bei etwas älteren Kinder dazu bietet das Klettern auf einem Baum:
Hier müssen Augen, Füße und Hände gut kooperieren um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Planendes Handeln wird erlernt: Kann mich dieser Ast tragen? Wo kann ich meine Arme und Füße hinsetzen, damit ich sicher bin? Ein kleiner Ausrutscher verwandelt Übermut in Vorsicht. Und auch schon auf einem umgefallenen Baumstamm zu balancieren trainiert und entwickelt die kindlichen Fähigkeiten.



Kinder lernen in der Natur auch die Kompetenz des Wartens
, des geduldig sein, die Tatsache, dass man manche Dinge nicht beeinflussen kann. Etwa wenn sie vor einem Mauseloch sitzen und die Maus sehen wollen, diese aber deswegen nicht einfach aus dem Eingang schaut. Oder wenn sie Vögel beobachten wollen, diese auch nicht einfach deswegen vorbeifliegen. Oder allgemein bei der Beobachtung anderer Tiere.

Natur als Bedürfnis von Abenteuer und Sicherheit zugleich

Ulrich Gebhard, ein Psychologe, der sich auch mit der Frage beschäftigte, wie sich die Gegenwart der Natur auf die kindliche Entwicklung auswirkt, ist zu einer interessanten Erkenntnis gekommen:
"Der psychische Wert von Natur besteht unter anderem in ihrem ambivalenten Doppelcharakter: Sie vermittelt die Erfahrung von Kontinuität und damit Sicherheit und zugleich ist sie immer wieder neu" (Ulrich Gebhard).
Naturerfahrungen gehen also gleichzeitig auf zwei menschliche Wünsche ein:
Zum einen Vertrautheit und zum anderen das Unbekannte, das Abenteuer. Die Freiheit.
Und genau das ist es auch, was Kinder unter anderem an der Natur so fasziniert.
 Es ist das Unvorhersehbare, was den Reiz der Natur für Kinder ausmacht.
Dadurch lernen sie auch gleichzeitig und spielerisch mit ungewohnten und unerwarteten Situationen umzugehen und regen dabei ihre Kreativität an, beispielsweise auf andere Weise nach Lösungswegen zu suchen. Sie lernen eine andere Art zu Denken kennen.
Fähigkeiten, die im späteren Leben äußerst von Bedeutung sind.

Natur als Ort zum Träumen

Die Natur ist in dem Bezug zudem ein wunderbar magischer Ort, der einlädt zum Träumen und Fantasieren. Gerade für Kinder. Da werden Bäume zu großen Riesen, die ihnen freundschaftliche Dienste erweisen. Da wird eine Pfütze zu einem Meer, dessen Wellen sie mir einem Schiff besegeln und dessen Abenteuer sie rufen.
Ich weiß noch, dass ich in der Grundschule mit meiner Freundin in den Pausen oft im kleinen Wäldchen Fantasiewelten erschaffen habe. Wir sind auf fliegenden Pferden geritten und haben uns Missionen und Abenteuern gestellt. Danach sind wir dann wieder völlig frisch und munter in die nächste Unterrichtsstunde gegangen. Stets mit ein
bisschen Glitzer auf den Schultern und stets mit etwas mehr Kraft.
Wer jetzt denkt, Fantasie, das sind doch alles nur Hirngespinste und vollkommen nutzlos, der irrt.
Gesunde Fantasie ist wichtig für Kinder. In ihren erdachten Welten können sie Herausforderungen meistern, die sie dann im echten Leben selbstbewusster angehen etwa wenn sie gemeinsam gegen einen Drachen kämpfen oder ihre Angst überwinden,
Fantasie ist also durchaus gesund und relevant. Aber das ist noch einmal ein ganz eigenes Thema.

 

 

Natur als Spiegel für die Persönlichkeit

Gleichzeitig ist die Natur ein Spiegel, in dem sich das Kind selbst erkennen kann.
Seine zarte Seite in dem Schmetterling und in den Blumen, seine Kraft und in den Bäumen, seine innere Freiheit in dem Flug der Vögel.
Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz beschreibt dies sehr verständlich:
Leben ist ein erkenntnisgewinnender Prozess. Je verschiedener ein Gegenüber ist, in dem sich das Kind bei seinem Prozess spiegeln kann, umso vollständiger wird das Bild von sich selbst, umso tiefer geht die Selbsterkenntnis“.
So kann das Kind entdecken, was alles in ihm steckt.


Die Natur ist also vielerlei zugleich. Ein Ort zum Lernen und Entdecken. Von sich selbst und der Umwelt. Ein Raum zum Träumen. Ein Ort, der den Kindern die Möglichkeit gibt, sich zu gesunden, selbstbewussten und kreativen erwachsenen Menschen zu entwickeln und ihre Potentiale, die in ihnen stecken, zu entfalten. Möglichkeiten sich sonst so in der Form nirgends bieten.

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Text: Vivien Baumgarten

Bilder und Illustrationen: Vivien Baumgarten


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