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Holger Schackert

Hallo, anbei meine Denkanstöße, wie gehabt 😉 formuliert aus meiner aktuellen Lernerfahrung heraus.
Vielen Dank fürs Lesen.

Vision

Was mir bei dem Thema zuerst auffällt, ist der Unterschied zwischen Wunsch, Ziel und Vision. Ein Wunsch kann relativ offen bleiben. Ein Ziel ist meist schon konkreter. Eine Vision scheint für mich noch einmal tiefer zu liegen. Sie ist nicht nur eine Vorstellung davon, was man erreichen möchte, sondern auch ein inneres Bild davon, wie man leben, arbeiten oder wirken möchte.

Gerade bei hochsensiblen Hochbegabten wirkt eine Vision oft nicht wie etwas rein Rationales. Sie hat meist mit Sinn, Identität und innerer Stimmigkeit zu tun. Es geht also nicht nur darum, etwas zu tun, sondern auch darum, dass das, was getan wird, sich richtig anfühlt. Deshalb ist eine Vision für viele nicht bloß Zukunftsplanung, sondern eher ein innerer Bezugspunkt.

Normalbegabte wirken auf mich an dieser Stelle oft pragmatischer. Eine Vision kann auch dort vorhanden sein, wird aber häufiger stärker an Realisierbarkeit, Stabilität und klaren Entwicklungsschritten gemessen. Bei hochsensiblen Hochbegabten scheint der innere Sinn häufiger zuerst da zu sein. Die Form folgt dann später. Genau daraus entsteht aber auch Spannung. Denn eine Vision kann innerlich sehr klar sein, während der Weg dorthin noch völlig offen bleibt.
Wie man eine Vision verwirklicht, hängt für mich stark davon ab, ob sie mit dem realen Alltag verbunden werden kann. Eine Vision bleibt folgenlos, wenn sie nur als inneres Ideal existiert. Sie wird wirksam, wenn sie in konkrete nächste Schritte übersetzt wird. Gerade das scheint aber für hochsensible Hochbegabte oft nicht der einfachste Teil zu sein. Die Vision selbst ist häufig stark. Schwieriger ist eher die Frage, wie sie in eine Form gebracht werden kann, die im Alltag tragfähig bleibt.

Zielfindung bei der Verwirklichung einer Vision

Was mir beim Thema Teilziele auffällt, ist, dass sie für hochsensible Hochbegabte oft weniger über äußere Planung entstehen als über innere Stimmigkeit. Die Frage lautet dann nicht nur: Was ist logisch der nächste Schritt? Sondern auch: Was ist im Moment überhaupt möglich, sinnvoll und innerlich anschlussfähig?
Das aktuelle Teilziel zu finden, heißt für mich deshalb, die Vision nicht direkt als Ganzes lösen zu wollen. Hilfreicher scheint es, nach dem Punkt zu suchen, an dem Vision und Gegenwart sich berühren. Also nicht zu fragen, wie das gesamte große Bild verwirklicht werden kann, sondern was im jetzigen Moment der nächste sinnvolle, machbare Schritt ist.

Die rationale Seite eines Teilziels liegt für mich darin, dass es konkret, überprüfbar und anschlussfähig sein muss. Ein Teilziel braucht eine gewisse Klarheit. Sonst bleibt es Absicht. Die emotionale Seite liegt darin, dass es innerlich getragen sein muss. Ein Teilziel kann noch so vernünftig sein, wenn es sich leer anfühlt, wird es oft nicht weiterverfolgt. Genau hier scheint ein wichtiger Unterschied zu liegen. Hochsensible Hochbegabte orientieren sich bei Teilzielen häufig nicht nur an Logik, sondern auch an Resonanz. Sie merken relativ schnell, ob ein Schritt zwar vernünftig klingt, aber innerlich keine Energie auslöst.

Ein Beispiel dafür wäre jemand, der die Vision hat, kreativ und selbstständig zu arbeiten. Rational könnte das Teilziel lauten, einen Businessplan zu schreiben oder eine Weiterbildung zu absolvieren. Emotional kann aber ein ganz anderer Schritt zuerst stimmig sein, etwa wieder regelmäßig am eigenen Projekt zu arbeiten, eine erste kleine Webseite zu bauen oder die eigene Arbeit überhaupt erst einmal sichtbar zu machen. Beides kann sinnvoll sein. Der Unterschied liegt darin, welcher Schritt im Moment wirklich Bewegung erzeugt.
Gerade hochsensible Hochbegabte scheinen Teilziele deshalb oft nicht streng hierarchisch zu erleben. Sie nähern sich ihnen eher über Sinn, Energie und Stimmigkeit. Das kann von außen unstrukturiert wirken, folgt aber meist einer eigenen inneren Logik.

Erreichung von Teilzielen

Was mir hier zuerst auffällt, ist, dass hochsensible Hochbegabte oft nicht besonders gut mit starren Plänen arbeiten. Das heißt nicht, dass sie grundsätzlich unstrukturiert wären. Eher scheint es so zu sein, dass klassische Pläne für sie schnell zu eng werden. Sobald ein Plan zu fest, zu linear oder zu wenig sinnverbunden ist, entsteht Widerstand.
Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass hochsensible Hochbegabte häufig nicht linear denken. Während ein Plan meist davon ausgeht, dass Schritt A zu B und dann zu C führt, läuft das innere Erleben oft anders. Neue Gedanken, Möglichkeiten, Zweifel, Ideen oder Eindrücke kommen gleichzeitig dazu. Dadurch wird der ursprüngliche Plan nicht unbedingt falsch, aber oft zu schmal.

Hinzu kommt, dass hochsensible Hochbegabte Veränderungen im Umfeld stark wahrnehmen. Wenn etwas nicht mehr stimmig ist, wird das oft früh registriert. Ein einmal gemachter Plan verliert dann schnell seine Gültigkeit, auch wenn er auf dem Papier noch logisch wäre. Das kann nach außen wie mangelnde Konsequenz wirken, ist aber oft eher Ausdruck einer ständigen inneren Nachjustierung.

Statt mit festen Plänen arbeiten viele eher mit inneren Richtungen, Bildern oder beweglichen Orientierungen. Die Vision bleibt bestehen, aber der Weg dorthin wird unterwegs angepasst. Man könnte sagen, dass weniger nach Plan gearbeitet wird als nach einer Art innerem Navigieren. Das Ziel bleibt sichtbar, aber der genaue Weg entsteht im Gehen.

Das hat Vor und Nachteile. Der Vorteil ist, dass diese Art des Vorgehens oft kreativer, anpassungsfähiger und näher an der eigenen inneren Wahrheit ist. Der Nachteil ist, dass sie leicht in Verzettelung, Frust oder Selbstzweifel kippen kann, wenn die äußere Form fehlt oder wenn nur noch gesehen wird, was noch nicht erreicht ist.

Relevanz für Coaching

Für Coaching bedeutet das für mich vor allem Übersetzung zwischen Vision, Gegenwart und nächstem Schritt. Nicht im Sinn von Vereinfachung, sondern im Sinn von Klärung. Oft scheint die Vision selbst gar nicht das Problem zu sein. Schwieriger ist eher, sie so weit herunterzubrechen, dass daraus konkrete Bewegung entstehen kann, ohne den inneren Sinn zu verlieren.

Ein Coach kann hier helfen, das aktuelle Teilziel sichtbar zu machen. Also die Frage mit dem Coachee zu klären, was jetzt wirklich dran ist. Nicht abstrakt, sondern konkret. Gleichzeitig braucht es aus meiner Sicht ein Verständnis dafür, dass rationale und emotionale Seite eines Teilziels zusammenpassen müssen. Ein rein vernünftiger Schritt reicht oft nicht aus, wenn innerlich keine Verbindung dazu entsteht.

Wichtig scheint mir außerdem, dass ein Coach hochsensible Hochbegabte nicht vorschnell in starre Planungslogiken drängt. Hilfreicher ist es vermutlich, mit flexiblen Orientierungen zu arbeiten. Also mit klaren nächsten Schritten, aber ohne den Anspruch, schon den ganzen Weg festzulegen. Dazu gehört auch, Erreichtes sichtbarer zu machen. Gerade bei diesem Personenkreis scheint der Fokus oft stark auf dem noch nicht Erreichten zu liegen. Das kann die eigene Wirksamkeit leicht verdecken.

Wenn Coaching hier gut gelingt, entsteht aus einer eher diffusen Unzufriedenheit wieder Richtung. Dann wird aus dem Gefühl Da wollte ich doch gar nicht hin langsam wieder die Frage Was ist mein nächster stimmiger Schritt. Und genau an dieser Stelle wird eine Vision wieder handlungsfähig. ☺

Über den Autor:

Nicolas Kaftan
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