Umgewichtung – Teil 1
Was bedeutet Umgewichtung?
Manchmal fragen mich Menschen im Coaching:
„Warum komme ich immer wieder an denselben Punkt?“
Oder sie sagen:
„Eigentlich weiß ich, dass ich mehr kann. Aber ich fühle es einfach nicht.“
Genau dort beginnt für mich die Umgewichtung.
Umgewichtung bedeutet nicht, etwas schönzureden.
Sie bedeutet auch nicht, die Vergangenheit zu vergessen oder so zu tun, als wäre nichts passiert.
Schwere Erfahrungen gehören zu unserem Leben.
Sie haben uns geprägt.
Und sie dürfen da sein.
Doch unser Gehirn macht etwas ganz Natürliches:
Es richtet seine Aufmerksamkeit oft auf das, was wehgetan hat.
Auf Enttäuschungen.
Auf Misserfolge.
Auf Situationen, in denen wir uns klein oder hilflos gefühlt haben.
Das ist keine Schwäche.
Es ist der Versuch unseres Gehirns, uns zu schützen.
Im Coaching versuche ich deshalb nicht, Menschen von ihren Problemen wegzubringen.
Ich lade sie vielmehr ein, gemeinsam mit mir auch auf das zu schauen, was bereits in ihnen vorhanden ist.
Fähigkeiten.
Ressourcen.
Stärken.
Erfahrungen.
Menschen, die ihnen guttun.
Kleine Erfolge.
Momente, die Hoffnung schenken.
Ich nenne diesen Prozess Umgewichtung.
Nicht, weil das Schwere verschwindet.
Sondern weil das Helle wieder mehr Gewicht bekommen darf.
Oft sind diese hellen Momente längst da.
Sie wurden nur über lange Zeit von den schweren Erfahrungen überlagert.
Mit jeder neuen Erfahrung, jedem kleinen Erfolg und jeder bewussten Wahrnehmung legen wir einen weiteren hellen Stein auf unsere innere Waage.
Und irgendwann verändert sich etwas.
Nicht die Vergangenheit.
Aber unser Blick auf sie.
Und unser Blick auf uns selbst.
Für mich bedeutet Umgewichtung deshalb nicht, das Leben neu zu erfinden.
Sie bedeutet, den eigenen Fähigkeiten, den guten Erfahrungen und den kleinen Hoffnungszeichen wieder Raum zu geben.
Denn jeder Mensch trägt dunkle Steine in seinem Leben.
Aber jeder Mensch trägt auch helle Steine in sich.
Manchmal braucht es nur einen geschützten Raum, ein Gespräch oder einen neuen Blickwinkel, damit diese hellen Steine wieder sichtbar werden.
Und vielleicht beginnt genau dort Veränderung.
Nicht laut.
Nicht plötzlich.
Sondern Stein für Stein



