Umgewichtung – Teil 2
Die Waage der Hoffnung
Vor einiger Zeit entstand in einem Coaching ein Bild, das mich seitdem nicht mehr loslässt.
Ich sah vor meinem inneren Auge eine alte Waage.
Auf der einen Seite lagen dunkle Steine.
Sie standen für alles, was ein Mensch in seinem Leben erlebt hat.
Enttäuschungen.
Verletzungen.
Misserfolge.
Ängste.
Selbstzweifel.
Diese Steine sind nicht falsch.
Sie gehören zur Lebensgeschichte.
Doch oft bekommen sie mit der Zeit so viel Gewicht, dass wir glauben, unser ganzes Leben bestehe nur noch aus ihnen.
Dann passiert etwas Interessantes.
Im Coaching versuchen wir nicht, die dunklen Steine wegzunehmen.
Denn das wäre weder ehrlich noch möglich.
Stattdessen beginnen wir, auf die andere Seite der Waage zu schauen.
Welche hellen Steine gibt es bereits?
Welche Fähigkeiten trägt dieser Mensch schon lange in sich?
Welche Begegnungen haben ihm gutgetan?
Welche kleinen Erfolge wurden nie wirklich wahrgenommen?
Welche Hoffnungen leben noch irgendwo im Verborgenen?
Mit jeder neuen Erfahrung kommt ein weiterer heller Stein dazu.
Ein Gespräch.
Ein Gedanke.
Eine Erkenntnis.
Ein mutiger Schritt.
Eine neue Perspektive.
Am Anfang verändert das die Waage kaum.
Die dunklen Steine wirken immer noch schwer.
Doch irgendwann geschieht etwas.
Nicht plötzlich.
Nicht spektakulär.
Die Waage beginnt, sich langsam zu bewegen.
Nicht, weil die Vergangenheit verschwunden ist.
Sondern weil Hoffnung neues Gewicht bekommen hat.
Genau deshalb nenne ich dieses Bild die Waage der Hoffnung.
Für mich bedeutet Hoffnung nicht, dass plötzlich alles gut ist.
Hoffnung bedeutet, dass wir beginnen, den hellen Steinen wieder Aufmerksamkeit zu schenken.
Dass wir erkennen:
Ich bin nicht nur das, was mir passiert ist.
Ich bin auch das, was in mir wächst.
Und manchmal reicht schon ein einziger heller Stein, um die Richtung der Waage langsam zu verändern.
Nicht heute.
Vielleicht auch nicht morgen.
Aber Schritt für Schritt.
Stein für Stein.



